Institut für Ästhetische Chirurgie Wiesbaden

Die Operation - Operative Zugangswege

  • Welcher Schnitt wird gewählt?
  • Welcher ist am wenigsten sichtbar?

Die Wahl des Schnittes (operativer Zugang) hängt im wesentlichen von der Brustform (leichtes Durchhängen ja/nein), von der Brustgröße, vom Warzenhofdurchmesser, vom gewünschten Implantatvolumen und Implantattyp, von der Implantatoberfläche, vom gewählten Implantatfüllmedium, von der persönlichen Präferenz der Patientin und des Operateurs ab und ist eine individuell zu treffende Entscheidung.

Bei Hautüberschuss oder einer erforderlichen Hängebrustkorrektur kann die Brustvergrößerung selbstverständlich auch über die Schnittführung der Lifting/Straffungsoperation durchgeführt werden.

Prinzipiell stehen folgende operativen Zugänge zur Verfügung:

Transaxillär (durch die Achselhöhle):
dieser Zugang hat den Vorteil einer narbenfreien Brust und kann nach einer Abheilungsphase zu einer fast unsichtbaren Operationsnarbe in der Achselhöhle führen. Er wird gerne bei relativ kleinem Implantatvolumen oder runden Kissen, bei glatter Implantatoberfläche oder bei auffüllbaren Kochsalzimplantaten gewählt. Das Einführen größerer Implantate mit rauer (texturierter) Oberfläche mit schnittfester, auslaufsicherer Silikonfüllung (Kohäsivgelimplantate) und das exakte Positionieren der tropfenförmigen Brustkissen in vertikaler Ausrichtung über den Achselhöhlenschnitt ist schwierig und ab einer gewissen Implantatgröße limitiert. Wegen der Schweißdrüsen und Haare in der Achselhöhle und deren natürliche bakterielle Besiedlung wird immer wieder über ein höheres Infektionsrisiko beim Zugang über die Achselhöhle diskutiert. Die Infektion mit Hautkeimen kann schleichend und von außen unauffällig sein, kann aber eine Kapselfibrose fördern oder verursachen. Falls der transaxilläre Zugang gewünscht und gewählt wird, empfehlen wir drei Tage vor der Operation eine Haarentfernung (Epilation) in der Achselhöhle und eine antiseptische Vorbehandlung mit keimreduzierenden Waschlösungen.

Transaxillärer Zugang
Transaxillärer Zugang

Inframammär (durch die Brustumschlagsfalte):
dieser Zugang wird statistisch von den meisten Brustoperateuren am häufigsten ausgeführt. Durch einen Schnitt in der Unterbrustfalte kann das Kissen über oder teilweise unter den Brustmuskel platziert werde. Der inframammäre Zugang ist technisch einfach, übersichtlich und bietet die besten Voraussetzungen hinsichtlich des Einführens auch größerer Kissen, der Blutstillung und der exakten Implantatpositionierung.

Bei leichtem, natürlichem Überhängen der Brust über die Umschlagsfalte ist der Schnitt im Stehen nicht zu sehen und ist nach der Abheilungsphase in der Regel nur noch im Liegen als dünne Linie in der Umschlagsfalte erkennbar. Wir verwenden eine spezielle Nahttechnik (die "deep dermal rim suture") für eine optimale Abheilung und empfehlen den kleinen Schnitt über mehrere Monate mit speziellem Nahtpflaster (z.b. Micropore°) zu kleben.

Inframammärer Zugang
Inframammärer Zugang

Infraareolär (unterer Brustwarzenhofrandschnitt):
hier wird entlang des unteren Warzenhofrandes zwischen 3 und 9 Uhr der Schnitt gewählt. Schnittführungen am Warzenhofrand sind die häufigsten Zugänge zur Entnahme von Gewebeproben (MammaPE, Biopsie) aus der Brust zur feingeweblichen Untersuchung. Der Farbkontrast zwischen pigmentiertem Warzenhof und der Brusthaut kann den Schnitt kaschieren, so dass in der Regel ein kosmetisch schönes Narbenbild erreicht werden kann. Bei leichter Ptose (leichtes Durchhängen) der Brust ist dieser Zugang aber mehr sichtbar als der Schnitt in der Umschlagfalte, insbesondere dann, wenn er mit ästhetisch unbefriedigender Narbenqualität abheilt. Ein anderer Nachteil ist, dass durch die Brustdrüse durchpräpariert und operiert werden muss. Dies kann, wie jeder transmammäre Zugang, zur inneren Narbenbildung führen und die Aussage der Mammographie beeinträchtigen.

Der infraareoläre Zugang wird gerne bei individuellem Wunsch, bei großem, pigmentiertem Warzenhof oder bei Brustvergrößerungen gewählt, bei denen aus operationstechnischen Gründen der Schnitt in der Umschlagfalte deutlicher sichtbar wäre. Bei allen operativen Zugängen am Warzenhof kann das zentrale Milchgangssystem geschont werden, so dass die Stillfähigkeit nach der Operation gewährleistet ist.

Infraareolärer Zugang
Infraareolärer Zugang

Transareolär (quer im Warzenhof):
dieser Zugang ist prinzipiell mit dem unteren Warzenhofrandschnitt vergleichbar, wobei jedoch hier quer im Bereich des Warzenhofs die Haut eingeschnitten wird. Hat die Patientin einem großen pigmentierten Warzenhof mit vielen Talgdrüsen, somit ein unregelmäßiges Hautrelief kann dieser Zugang zu ganz exzellenten Ergebnissen führen. Der Schnitt im Warzenhof ist später häufig kaum noch sichtbar. Natürlich sind wegen des limitierten Zugangs von wenigen Zentimetern bezogen auf des Implantatvolumen und die Implantatgröße Grenzen gesetzt. Auch beim Schnitt durch den Warzenhof kann die Stillfähigkeit voll erhalten bleiben. In der Literatur wird eine höheres Auftreten an Infektionen diskutiert, wenn dieser Zugang gewählt wird. Beim Einführen des Implantates können Bakterien, die sich im Milchgangsystem befinden, das Implantat besiedeln und so eine Infektion begünstigen.

Transareolärer Zugang
Transareolärer Zugang

Cranioareolär +/- Lifting:
hier wird der Zugang zwischen 9 und 3 Uhr am oberen Warzenhofrand gewählt. Der Schnitt am oberen Warzenhofrand bietet durch halbmondförmige Hautentfernung die Möglichkeit zum Lifting bei zu tief stehenden Brustwarzen oder zu einem möglichen Ausgleich von unterschiedlichen Höhenständen der Brustwarzen und Asymmetrien.

Bedingt durch die Hautspannung am oberen Warzenhofrand, insbesondere bei simultanem Lifting, ist bei diesem Zugang die Nachkorrekturrate wegen breiter oder ästhetisch nicht befriedigender Narbe höher. Die OP-Technik wird wegen des hörnchenartigen Schnittmusters im Englischen auch als "cresent mastopexy" bezeichnet.

Cranioareolärer Zugang
Cranioareolärer Zugang

Periareolär (um den ganzen Warzenhof):
dieser Zugang wird insbesondere bei übergroßen, nach Schwangerschaften überdehnten Warzenhöfen gerne gewählt. Die Brustkisseneinlage und konsekutiv weitere Dehnung der Haut würde zu einer nochmaligen Vergrößerung der Warzenhöfe führen. Der periareoläre Zugang biete auch die Möglichkeit eine Hängebrust zu korrigieren und die Brustwarzen nach oben an ihre gewünschte Position zu verlagern.

Eine verlängerte Schnittführung und längere Wundheilungszeit durch die Hautrafftechnik am Warzenhof muss dabei im Rahmen der Restaurierung der ästhetischen Balance in Kauf genommen werden.

Durch die plissierende Rafftechnik ist die Rate an Narbennachkorrekturen im Vergleich zu allen anderen Zugängen deutlich höher.

Um eine sichtbare Narbe am Warzenhofrand zu
vermeiden, kann die Verkleinerung des Warzenhofes
in ausgewählten Fälle auch nach innen , zur
Brustwarze hin erfolgen.

Periareolärer Zugang
Periareolärer Zugang

Individuell bei präexistierenden Narben: natürlich können alle schon existierenden Schnitte nach vorausgegangenen Brustoperationen oder Gewebeproben zum Einführen eines Brustkissens prinzipiell bei Eignung wieder verwendet werden. Damit können zusätzliche Schnitte vermieden werden.

Transumbilical (durch den Bauchnabel): das Einführen eines Brustkissens über den Bauchnabel ist nur mit Spezialinstrumenten (Endoskopen) und nur unter Verwendung von auffüllbaren Kochsalzimplantaten möglich. Der in den USA entwickelte Eingriff wird in Deutschland selten und nur in speziellen Fällen sowie auf Wunsch durchgeführt. Das Einführen von auslaufsicheren Kohäsivgelimplantaten ist über diesen Zugang annähernd unmöglich.

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